Das Wort zum Sonntag. Kitaplatzsuche in Bremen. Ein Desaster. Zurück an den Herd wäre wohl das Beste...

Hey Ladies, 

 

beim heutigen Wort zum Sonntag muß ich mich mal wieder stark beherrschen damit ich nicht ausflippe. Es geht um ein Thema das mich in den letzten Wochen so stark beherrscht hat dass ich fast daran verzweifelt bin.

 

Ihr wisst ja, ich habe einen kleinen Sohn. Er wird im November drei Jahre alt und er soll im Sommer in eine Kita gehen. Bisher geht er zu einer Tagesmutter. Dort ist es toll für ihn, aber dort sind viele kleine Kinder und irgendwann wird er zu alt dafür. Er ist kindergartenreif.

 

Ich bin ein sehr positiver Mensch. Ich glaube immer an das Gute im Menschen. Erzählt man mir etwas, dann glaube ich es. Im Laufe meines Lebens bin ich zwar schon mißtrauischer geworden, aber grundsätzlich sind für mich alle Menschen erst einmal ehrlich und gut. 

 

Und genau deswegen habe ich auch geglaubt, dass es den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz gibt. Ich dachte, dass alle Menschen, die ihre Kinder betreuen lassen möchten, das nun auch können. 

 

Ihr lacht über meine Naivität? Das kann ich verstehen. Nur lache ich nicht mehr. Stattdessen habe ich eine Wut im Bauch.

 

Der Reihe nach: Bei uns gibt es in unmittelbarer Nähe eine kirchliche Kita. Dort haben mein Mann, mein Sohn und ich uns Anfang des Jahres umgesehen. Alles war toll, die Leiterin war sehr nett und zuversichtlich, dass wir einen Platz bekommen. Die Betreuungszeiten waren gut (Frühdienst ab 7 Uhr, Ganztagsbetreuung bis 16 Uhr). Wir haben unseren Sohn dort angemeldet. 

Bei der Anmeldung gibt man an, in welche weiteren Einrichtungen unser Sohn sonst noch gehen könnte falls dieser Platz nicht vergeben werden konnte. Uns wurde erklärt, dass falls doch kein Platz frei sein sollte, würde man für ihn in einer der anderen Einrichtungen einen Platz für ihn organisieren. 

 

Wenn man mir sowas erzählt, dann glaube ich das auch. Das ist das Problem.

 

Die Wochen verstrichen, im Februar sollte entschieden werden, ob wir nun einen Platz bekommen sollten oder nicht. Dann ging das Dilemma los. Die Kitaleiterin war plötzlich nicht mehr zu erreichen. Überhaupt ging selten jemand ans Telefon und wenn doch dann war es nur eine der Erzieherinnen. 

 

Zwei weitere Wochen vergingen. Meine Schwester suchte zur gleichen Zeit einen Krippenplatz für ihre Tochter. Sie erfuhr sofort, ob noch ein Platz frei war oder nicht (in anderen Einrichtungen). Wieso ging das also in der Kita nicht wo wir unseren Sohn angemeldet hatten?

 

Dann lag plötzlich MItte März ein Zusageschreiben der Kita in unserem Briefkasten. Unfassbar, oder? 

Vor allem unfassbar was in dem Schreiben stand. Man bot uns einen Teilzeitplatz an. Von 8 bis 13 Uhr könnten wir ihn betreuen lassen. 

 

Ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Natürlich rief ich sofort dort an, glaubte, dass es sich vielleicht um ein Versehen handelte. Aber nein, entweder wir würden den Platz nehmen oder keinen sagte die Erzieherin (ich brauche nicht extra zu erwähnen dass ich die Leiterin nicht erreichen konnte, oder?).

Ich antwortete: "Aber ich brauche längere Betreuungszeiten. Ich arbeite 30 Stunden pro Woche, mein Mann Vollzeit!"

Erzieherin: "Dann müssen Sie eben weniger arbeiten."

Ich: "Das geht nicht, Wie sieht es aus, wir brauchen einen Ganztagsplatz, haben Sie in eine der anderen Einrichtungen für uns einen Vollzeitplatz gesucht?"

Erzieherin: "Nein."

Ich: "wir haben einen Rechtsanpruch auf einen Betreuungsplatz". 

Erzieherin: " Ja, das haben sie. Aber nur auf einen Teilzeitplatz. Den haben sie bekommen. Deswegen suchen wir keinen Vollzeitplatz für Sie."

 

Ach so.

 

Ich wurde stinksauer, konnte nicht fassen, was sie da sagte. 

 

Dann rief ich bei der Kita an die als nächstes auf unserer Wunschliste stand. Dort erzählte man, alle Plätze waren weg. Das Problem sei, dass die Kirchen in Bremen erst später als die staatlichen Kitas über die Platzvergabe entscheiden würden. So sind dann meist die Plätze in den staatlichen Kitas auch schon weg. 

 

Achso. Die Kirche in Bremen macht also ihre eigene Suppe. Sehr elternfreundlich und komplett am echten Leben vorbei. 

 

Nur mal so am Rande. Es geht um diesen kleinen Mann hier:

Sollte ich ihn etwa in eine Einrichtung geben wollen, in der die Verantwortlichen nie zu erreichen sind? In der mit den Sorgen der Eltern so umgegangen wird? Die mich als fast Vollzeit arbeitende Frau nicht ernst nimmt?

 

Auf keinen Fall. 

 

Das Ganze ist gut ausgegangen denn ich habe nun eine Kita gefunden in der wir einen Platz für unseren Sohn bekommen haben. Die Betreuungszeiten sind sogar noch besser. Schade ist es allerdings dass er nicht in dem Stadtteil in eine Kita geht in der wir wohnen. Stattdessen wird er dann in eine Kita gehen die bei mir in der Nähe der Arbeit ist. 

 

Was mich aber grundsätzlich an der ganzen Thematik wütend macht ist wie mit den Eltern umgegangen wird. Es hapert meiner Meinung nach ganz gewaltig an dem System. 

 

Problem Nr. 1: Meist werden Kinder nur zu Beginn eines Kitajahres aufgenommen, also nach den Sommerferien. Das hat zur Folge dass viele Eltern das Elterngeld strecken müssen oder monatelang nur ein Einkommen haben. Unser Sohn ist im November geboren: ein Jahr Elternzeit endet im Dezember des Folgejahres. Einen Betreuungsplatz würde er erst rund 8-9 Monate später bekommen. In dieser Zeit kann ein Elternteil nicht arbeiten gehen. 

Wieso können nicht jeden Monat oder zumindest einmal im Quartal Kinder aufgenommen werden?

 

Problem Nr. 2: Das Auswahlverfahren ist im Januar/Februar jeden Jahres. Die Einrichtungen machen unterschiedlich Urlaub. Ich muß meinen Urlaub aber immer schon im November für das Folgejahr angeben. Habe ich den verplant, ist es schwierig den zu ändern. 

Wieso findet das Auswahlverfahren nicht im Herbst statt? So können Eingewöhnungszeit und Urlaub geplant werden. 

 

Problem Nr. 3: In den Köpfen vieler Entscheidungsträger spuken scheinbar immer noch Ideologien aus den tiefsten 50er Jahren herum. Anders kann ich mir nicht erklären, warum ich immer wieder von Erzieherinnen und Verantwortlichen schräg angeguckt werde weil ich arbeiten gehe und das auch möchte. Warum ich dann überhaupt ein Kind bekommen habe. Und wo denn mein Problem ist wenn ich weniger arbeiten würde. Mal abgesehen davon dass ich Geld verdienen muß weil ein Gehalt nicht mehr ausreicht, so gehe ich doch auch arbeiten weil ich es mag. Weil ich mich dort weiterentwickle. Es gibt Frauen, die sind gerne zuhause, die sollen das auch weitermachen. Aber ich möchte nun mal beides machen. Eine Karriere zu machen (das habe ich nicht vor, aber nur mal theoretisch) ist für viele Frauen immer noch nahezu unmöglich. Ich kenne keine Frau die nur stundenweise arbeiten geht und Cheffin von irgendwas ist. Das geht auch nicht. 

 

Problem Nr. 4: Es geht nicht mehr darum, was ich mir für meinen Sohn wünsche. Es geht nur noch darum, ihn irgendwo unterzubringen. Konzepte die mir gefallen oder Einrichtungen die wohnungsnah sind nicht mehr wichtig, Wichtig ist nur noch: bekommt er einen Platz? Irgendwo?

 

Eine kleine Anekdote habe ich noch: mir erzählte kürzlich eine Mutter die ihre Tochter auch in der Einrichtung anmelden wollte in der wir den Ärger hatten, dass sie auch keinen Platz bekommen hatte. (Das war vor ein paar Jahren). Sie war eine alleinerziehende Mutter die selbständig gearbeitet hat. Ihr wurde der Platz verwehrt weil man alleinerziehende Mütter nicht unterstützen wolle. Das sei nicht im Sinne der Kirche. Ob sie nicht mal ihr Lebenskonzept überlegen wolle.

Sie konnte gar nichts tun. Sie war so enttäuscht, wütend und fühlte sich verraten und verkauft. Sie hat einen anderen Platz in einer (staatlichen) Einrichtung bekommen.

 

Und nur mal so am Rande: mein dreiseitiger Beschwerdebrief an die Einrichtung bleibt natürlich unbeantwortet. 

 

Wir leben im Jahr 2014. Ich habe mich immer frei und emanzipiert gefühlt. Das hat sich nun ganz gewaltig geändert. 

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Kommentare: 6
  • #1

    Nicole (Sonntag, 30 März 2014 15:35)

    Liebe Nicole,

    willkommen im wahren Leben,nicht wahr?!
    Deine Erzählung kommt mir nur zu bekannt vor.Meine Tochter ist zwar mittlerweile 6 Jahre alt und kommt im Sommer zur Schule ,aber wir haben ähnliches erlebt.
    Mir war in meiner fröhlichen Schwangerschaftszeit nicht klar,dass ich mir DA SCHON mal einen Kitaanmeldemarrathon antun sollte.Und Frau kann froh sein überhaubt Zu,-oder Absagen der Einrichtung zu erhalten.So ist das nämlich hier im Ruhrgebiet,am besten man lässt sich schon mal zum Geburtstermin auf die Wartelisten setzen,Rechtsansprüche hin oder her.
    Zum Glück ging es bei uns dann damals auch gut aus- aber nur weil eine Familie abgesagt hat wegen nicht ausreichender Betreuungszeit(7-14h30) und wir zum Glück den U3 Platz bekommen haben und das Glück eine ganz tolle ,angagierte Oma zu haben,die pünktlich zum Abholen und bringen bereite steht.
    Die tollen PLäne der tollen Politiker zerplatzen in der Realität leider wie Seifenblasen.Welche Kita ist zB Schichtdiensttauglich?! Weder um 5h30 noch um 21h kann(klar will man auch nicht) kann man sein Kind betreuen lassen - also alleinerziehend sind doch viele Frauen gezwungen vom Staat zu leben.Dieses Thema ist unglaublich traurig und Zorngebend und unerschöpflich.
    Ich wünsche Dir und Deiner kleinen Familie trotzdem eine ganz tolle Kindergartenzeit!!!


    LG
    Nicole

  • #2

    Anke (Sonntag, 30 März 2014 16:04)

    Passend zur Doku aus einsplus die, diese Woche kam. Musste man angucken...

  • #3

    Alexa Jana (Sonntag, 30 März 2014 16:47)

    Liebe Nicole,

    ich verstehe deinen Frust so gut. ich habe selbst keine Kinder aber erlebe den Kita-Wahnsinn bei Freundinnen mit. Da wird sich teilweise schon vor der Geburt des Kindes nach einem Kita-Platz umgeschaut. Außerdem bei der betreffenden Kita freundlichst vorgesprochen und die persönlichen Vorzüge sowie die eigene Bereitschaft sich soooo in der Kita zu engagieren hervorgestrichen... weil es nicht anders geht...
    Ich hoffe du findest eine Lösung.

    LG Alexa Jana

    PS: Dein Päckchen ist gestern wohlbehalten hier eingetroffen. Vielen Dank noch einmal für die tollen Produkte!

  • #4

    Leona (Sonntag, 30 März 2014 21:19)

    Du Arme, das klingt ja einfach nur so unnötig stressig..ich bin auch jemand, der Menschen zunächst einfach einmal glaubt und wäre wohl ebenso naiv an die Sache herangegangen. Dass niemand zu erreichen ist, finde ich einfach nur enttäuschend, so kann man doch eine Kita nicht führen. Dir eine "Teilzeit"-Betreuung ohne Chance auf Veränderung anzubieten, finde ich auch einfach nur dreist und ich hoffe, dass die andere Kita in Sachen "ansprechbar" besser ist. Deine Wut und Unverständnis kann ich komplett nachvollziehen und finde es gut, dass du das Thema hier öffentlich machst; so können sich andere, ebenfalls noch naive Mütter, informieren, wie der Hase wirklich läuft. Hoffentlich klappt alles jetzt reibungslos und der gar nicht mehr so kleine Mann wird viel Spaß in seiner Kita haben :)

    Liebe Grüße, Leona

  • #5

    Cornelia (Montag, 31 März 2014 09:44)

    Hallo Nicole!

    Mich gruselt es auch schon davor, wenn mein Winzling dann irgendwann in den Kiga soll. Ich kann mich noch gut an die Anmeldung meiner Tochter erinnern, die inzwischen schon 10Jahre alt ist. Im städtischen Kindergarten war die Warteliste extrem lang, aber man war frohen Mutes das es klappen würde. Zu der Zeit als die Benachritigungen kommen sollten, haben wir nie wieder etwas gehört und zu erreichen war natürlich auch niemand.

    Ganz schlimm war es aber im katholischen Kiga. Mein LG zahlt brav seine Kirchensteuern. Trotzdem darf seine Tochter nicht in den Kiga, da wir uns das Recht herausnehmen sie selbst entscheiden zu lassen ob sie später eine Glaubensrichtung annehmen möchte. Währen wir allerdings Muslime gewesen, hätte sie sofort einen Platz bekommen. Da frage ich mich wirklich wieso mein LG Kirchensteuern zahlt?! Dann ist sie zum Glück in den evangelischen kiga gekommen und das ganz ohne Taufe und falscher Religion beim Papa.

    Tagesmütter sind bei uns noch viel schlechter zu kriegen. Ich hatte eine richtig gute, die leider weggezogen ist. Wir sind uns immer entgegengekommen und dann hat es gut funktioniert. Als sie weg war, hab ich einfach angefangen nur noch 2h in der Nacht zu schlafen um Arbeitszeiten und Kinderbetreuungszeiten miteinander zu vereinbaren.

    LG Cornelia

  • #6

    Blumenkindchen (Donnerstag, 03 April 2014 19:21)

    Hallo Nicole,

    da hast du leider die Erfahrung gemacht die viele arbeitende Mütter machen. Ich habe auch gelernt an ein "ein Platz ist kein Problem" und "das klappt bestimmt" nicht mehr zu glauben.
    Ich hatte außerdem 2mal telefonische Zusagen und am Ende war es eine Verwechslung. Nur weil ich richtig Stress gemacht habe, bekam ich am Ende doch einen Krippenplatz für meine Tochter. Sollte mir so etwas noch einmal passieren (telefonische Zusage) dann weiß ich genau, dass ich sofort losrenne und gleich unterschreibe.

    Ansonsten wird es jetzt mit Kindergartenbeginn vermutlich noch lustiger was die Arbeit und die Planung angeht. Ich denke da nur an die zusätzlichen Tage an denen, zumindest hier, der Kindergarten gerne zu hat: Brückentage, Betriebsausflug, Weiterbildungstage, Putztage, 4-5 Wochen Ferien, Kindkrankheitstage und neulich dann ein Streik. In der Schule wird es dann noch lustiger. Da muss man wirklich Glück haben und eine Familie im Hintergrund die einiges auffangen kann oder sich ein gutes Netzwerk aufbauen. Was mit 1 Kind noch gut geht wird mit einem 2. Kind noch aufwendiger. Arbeitende Mütter haben es wirklich nicht leicht...