Das Wort zum Sonntag. Arbeiten und Kinderhaben - ein Spagat.

von Nicole

Hey Ladies,

 

letztens habe ich mich mit meiner Schwester über meinen letzten Artikel zum Thema Hausfrau oder working mom unterhalten. 

 

Während unseres Gesprächs sind mir so einige Dinge klar geworden. 

 

Während ich immer im Kopf habe, wie ich meinen Sohn um die Arbeit herumbaue, sollte ich mir doch eigentlich die Frage stellen wie ich die Arbeit um meinen Sohn herumbaue. Findet Ihr nicht?

 

Ein Beispiel dazu: Was macht eine Krankenschwester die Kinder hat? Sie versucht, ihre familienunfreundlichen Arbeitszeiten irgendwie mit ihren Kindern zu vereinbaren. In Großstädten gibt es teilweise Kitas in denen die Kinder zu allen möglichen Zeiten abgegeben werden können und sogar dort schlafen können. Die arbeitende Krankenschwester tut alles, bzw. sehr viel, um arbeiten gehen zu können. 

 

Ich kann zum Glück meine Arbeitszeit in der Zeit von 6:30 Uhr bis 20:00 Uhr aufteilen (ich arbeite sechs Stunden täglich). So habe ich lange nicht solche Probleme wie Frauen in Schichtarbeit. Aber in regelmässigen Abständen muss ich an einzelnen Tagen länger arbeiten (bis 16:30/18:00/20:00 Uhr). Und diese Tage bringen mich regelmässig ins Schwitzen. Ich muss die Betreuung von meinem Kind organisieren. 

 

Das geht nicht nur mir so, sondern auch vielen anderen Eltern. 


Dazu kommen Schließtage. Und das zwar reichlich. An die Ferien bei Schulkindern mag ich noch gar nicht denken. 

Kann man das nicht ändern? Müssen die Arbeitgeber nicht flexibler werden? 

Mütter sind fabelhafte Arbeiterinnen. Sie sind Stress und Druck gewöhnt. Sie können mit spontanen Situationen einfach umgehen. Sie arbeiten viel und schaffen oft mehr in kürzerer Zeit. 

 

Natürlich habe ich als Mutter auch Nachteile meinem Arbeitgeber gegenüber: ich bin unflexibler bei Überstunden. Einfach mal länger bleiben geht nicht. Oder Einspringen für kranke Kollegen. Und ich bin öfter krank als vorher. Einfach weil mein Kind immer mal wieder krank ist und ich auch oft krank werde dadurch. 

Und immer wieder kommt die Frage: Was willst Du? Kind oder Karriere?

Kollegen ohne Kinder sind genervt von Kollegen mit Kindern. Immer diese Sonderwünsche. Urlaub in den Ferien, an Brückentagen. 

Und Kollegen mit Kindern sind genervt von Kollegen ohne Kinder. Es besteht oft einfach kein Einfühlungsvermögen. Nein, ich kann nicht entspannt in der Arbeit sitzen wenn ich weiß dass das Kind krank ist. Auch wenn gerade der Papa drauf aufpasst. 

 

Und ich will beides: Arbeitengehen und ein Kind haben. Ich mag mich nicht entscheiden und mal abgesehen davon dass wir das Geld brauchen was ich verdiene, will ich auch nicht nur Mutter sein. Das "nur Mutter sein" meine ich nicht negativ. 

Es gibt so viele sehr gut ausgebildete Mütter die einfach nicht arbeiten können weil sie nicht Vollzeit arbeiten können oder wollen. 

Ich möchte auch nicht Vollzeit arbeiten. Und ich bin froh dass ich das nicht muss. Ich kenne viele Frauen die auf weniger anspruchsvollen Stellen sitzen weil sie so flexibler arbeiten können. Eigentlich sind sie besser ausgebildet und qualifizierter als mancher Mann, dennoch kommen sie im Jobleben nicht voran. Immer noch werden Männer für Stellen mit Verantwortung bevorzugt. Weil sie eben selbst wenn sie Väter sind,  nicht so oft ausfallen und mehr arbeiten. Weil ihre Frau sich mehr um die Kinder kümmert. 

 

In meinem persönlichem Umfeld kenne ich keinen einzigen Mann der seine Karriere hinter die seiner Frau gestellt hat. Ich kenne keinen Mann, der weniger als seine Frau arbeitet um sich um die Kinder zu kümmern. Es ist überall das gleiche - es werden ein paar Pseudomonate Elternzeit genommen (also zwei) und das war es dann auch schon. 

 

Wären die Jobs in allen Bereichen flexibler und auch das Teilzeitarbeiten mehr angesehen, könnten Mütter bessere Jobs besetzen und qualifizierter Arbeiten. 

 

Ein kleines Beispiel: ich habe eine Kollegin, die arbeitet wie ich 30 Stunden in der Woche. Sie kommt um 6:30 Uhr und geht um 12:30 Uhr. Und mehrmals in der Woche bekommt sie Spitzen zu hören wie "ach, Du gehst schon?". Ich fange rund eine Stunde später an und gehe meist nicht vor 14 Uhr. Auch ich bekomme solche Bemerkungen, aber insgesamt scheine ich mehr als "Vollzeitkraft" zu gelten. 

 

Und das ist blöd. Wir arbeiten genau gleich (von den Stunden her), werden aber unterschiedlich "angesehen". 

 

Arbeit in Teilzeit wird einfach immer noch als easy peasy nebenbei-ein-wenig-die-Zeit-vertreiben angesehen. Es gibt kaum Chefs die in Teilzeit arbeiten. Und oft werden Teilzeitkräften auch einfachere Arbeiten zugeteilt. Weil einfach nicht viel von ihnen erwartet wird. 

Und was ist mit den Männern?

Tja, für viele Männer ändert sich einfach nicht viel in der Arbeitswelt wenn sie Väter werden. Zumindest ist das in meinem Umfeld so. In Führungspositionen kenne ich keinen Mann der weniger arbeitet. Und selbst in Jobs ohne Führungsverantwortung reduzieren nur wenige Männer ihre Arbeitszeit. 

 

Das mag daran liegen, dass Männer immer noch mehr verdienen als Frauen. Und es mag auch immer noch an einem gewissen gesellschaftlichem Druck liegen. Gerade in der Chefetage ist es einfach nicht gerne gesehen wenn der Chef eben nicht jeden Tag von morgens bis abends anwesend ist. 

 

Natürlich hat sich in den letzten Jahrzehnten viel getan. Aber meiner Meinung nach noch viel zu wenig. 

 

Nur wenn die Männer endlich weniger arbeiten können wir Frauen mehr und besser arbeiten. 

 

Ich finde einfach, jede Familie sollte das für sich selbst entscheiden können. Also egal ob klassische Aufteilung (Frau zuhause, Mann geht arbeiten), der Mix (so wie bei uns - ich arbeite Teilzeit und mein Mann Vollzeit) oder was ganz Kreatives (jeder arbeitet irgendwie oder irgendwie nicht) sollte möglich und frei von Vorurteilen möglich sein. 

 

Leider ist das ein frommer Wunsch denn die Arbeitswelt verändert sich. Und das nicht immer zum Positiven. 

Ich möchte so arbeiten wie ich möchte. Und kann.

Meinen Job könnte ich absolut perfekt und einfach von zuhause aus erledigen. Ich brauche nur ein Laptop und ein Telefon. Das reicht schon. Aber ich kann nicht weil mein Arbeitgeber das nicht möchte. Stattdessen bastle ich mein Kind irgendwie in meinen Arbeitsalltag ein anstatt meinen Arbeitsalltag um mein Kind herum zu basteln. 

Wie schön das wäre, gerade an Ferientagen an denen ich arbeiten muss, tagsüber das Kind zu betüddeln und halt abends ein paar Stunden arbeiten zu können. Stattdessen muss ich schauen wie ich mein Kind an den Tagen betreut bekomme. 

 

Und auch in anderen Berufsbereichen wäre ein flexibleres Arbeiten möglich. Mit einer guten Planung sollten auch Krankenschwestern, Verkäuferinnen oder Friseurinnen ihre Arbeit um ihr Kind herum ausüben können. Das alles geht aber nur wenn Chefs und Kollegen das mitmachen. 

 

Und genauso müssten das auch Menschen ohne Kinder machen können. Ich bin mir sicher, dass mit einer Aufhebung der klassischen Arbeitsordnung, der klassischen Arbeitszeiten und der klassischen Arbeitsmoral, viel mehr für beide Seiten erreicht werden würde. Arbeitnehmer würden ihre Arbeit freier und motivierter ausüben und ich bin der festen Überzeugung dass sich das für den Arbeitgeber nur positiv auswirken kann. 

 

Wie seht Ihr das? Arbeitet Ihr so wie Ihr wollt? Erzählt doch mal. 

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Kommentare: 9
  • #1

    Sunny (Sonntag, 24 April 2016 14:21)

    Ich stimme Dir 100 % ig zu. Aber: es liegt auch viel an den Frauen/Müttern. Da wird selbstverständlich Arbeitszeit reduziert, versucht, das Kind irgendwie einzuplanen, etc. Männer haben Kinder und arbeiten wie vorher.

    Warum? Warum machen die Frauen das mit? Mein Mann und ich sind gleich qualifiziert und verdienen ungefähr gleich viel. Es war immer klar, das Kinder nicht nur mein "Problem" sind. Also arbeiten wir beide jeweils drei Tage, einen Tag wird der Knirps von Oma betreut - das war so abgesprochen und sie macht das sehr gerne. Sonst hätten wir halt beide jeweils nur 2.5 Tage gearbeitet.

    Das passt für uns beide perfekt - anders hätte ich mich auch nicht auf Kinder eingelassen. Klingt hart, ist aber so.

    Ich kann immer nur mit ungläubigem Staunen beobachten, wie andere Mütter jonglieren, währen die Väter was von "wichtigem Meeting" quasseln und unbeschwert arbeiten gehen. Mädels, lasst euch das nicht gefallen, es sind auch SEINE Kinder!

  • #2

    Nicole (Sonntag, 24 April 2016 14:28)

    Du hast so Recht Sunny. So würde ich das auch gerne machen aber mein Mann kann seine Arbeitszeit nicht reduzieren. Ich weiß dass er das sofort machen würde wenn er könnte. Irgendwo habe ich mal von dem Model gelesen in dem beide Eltern jeweils nur vier Tage arbeiten. Einer hat Montag, der andere Freitag frei. So muss man nur an drei Tagen das Kind "verplanen". Das klingt für mich für eine durchaus bessere Lösung. Leider in der heutigen Welt immer noch schwer umsetzbar.

  • #3

    Anonym (Sonntag, 24 April 2016 15:51)

    Ich stimme dir auch zu, auch wenn ich (noch) keine Kinder habe. Aus gesundheitlichen Gründen kann ich nur Teilzeit arbeiten. Ich habe zwei Hochschulabschlüsse, versuche aber gerade krampfhaft einen Job als Sekretärin zu bekommen, weil ich mit meinen Abschlüssen nur Vollzeit arbeiten könnte. Also allein aus diesem Grund muss ich meine Qualifikation zurückstecken und verdiene ein Vielfaches weniger. Sicherlich könnte man Jobs für meine Abschlüsse in Teilzeit machen, aber faktisch will das kein Arbeitgeber.

  • #4

    Nicky (Sonntag, 24 April 2016 21:58)

    Leider haben die Frauen oft gar keine andere Wahl, als ihre Stunden zu reduzieren oder ganz zu Hause zu bleiben, weil sie meisens eben nicht so viel verdienen wie ihre Männer. Man muss sich nur die Bezahlung in den typischen Frauenberufen anschauen... Pflege, Friseure, Einzelhandel, Sekretärinnen... need I say more? Die Bezahlung in Industrie und Handwerk ist meistens einfach besser, ganz abgesehen davon, dass Frauen in selber Position immer noch 30% weniger verdienen als die männlichen Kollegen.

  • #5

    Katharina (Sonntag, 24 April 2016 23:16)

    Hallo Nicole,
    Bei uns ist es so: Ich kann nicht so arbeiten, wie ich will, deswegen gehe ich nicht arbeiten , ich bin z.Zt. Hausfrau und Mama.
    Ich bin Krankenschwester, ich habe keine Betreuungsmöglichkeiten für mein dreijähriges Kind, so dass ich keinen Schichtdienst machen kann. Mein ehem. Arbeitgeber unterstützt null, und nur im Nachtdienst arbeiten will ich einfach nicht. Außerdem finde ich es nicht ok, mein Kind morgens um 5 zu wecken und in die Kita zu bringen geschweige es dort übernachten zu lassen. Finde ich scheiße, mach ich nicht.
    Mein Mann hat einen viel besser bezahlten Beruf, er arbeitet in Projekten, wo man mind. 40 h arbeiten muss, sonst ist man raus. Keine Chance auf Teilzeit, obwohl er es sehr gern machen würde. Also bleib ich zuhause. Gibt es keinerlei entscheidungsspielraum. Ich werde keine Karriere machen und ne miese Rente bekommen. Isso.
    Allerdings finde ich , dass ich noch Glück habe, wir können von einem Gehalt leben. Mit tüchtigen Einschränkungen: kein Urlaub, kein neueres Auto, keine teuren Klamotten, keine Shopping Ausflüge. War ne gewaltige Umstellung, aber geht grad so. Scheiße nur, wenn wirklich beide Gehälter gebraucht werden. Ich bin aber auch der Meinung, dass manche auch mal über ihren Lebensstil nachdenken sollten.
    Arbeitgeber sollten verpflichtet werden, flexible Arbeitzeitmöglichkeiten für alle Arbeitnehmer anzubieten, das würde doch die Motivation der Arbeitnehmer nur noch erhöhen.
    Und es kann doch nicht sein, dass man von einem Vollzeitjob nicht mehr leben kann, manche Stundenlöhne sind geradezu beschämend. Ganz schlimm.
    Desweiteren muss sich die Betreuungssituation für Kinder verbessern. Ich habe mir einige Krippen und Kindergärten angeschaut und bin entsetzt. Da würde ich nie nie mein Kind unterbringen. Da wurden auf Teufel komm raus, kita Plätze aus dem Boden gestampft aber von unterirdischer Qualität.
    Für mich aber am wichtigsten: kein noch so toller Job ist so wichtig wie mein Kind!!!!
    Lg

  • #6

    Jessi (Montag, 25 April 2016 00:43)

    Hallo Nicole,
    als Mama bin ich auch immer hin-und hergerissen zwischen Mama-sein und mehr-als-nur-Mama sein. Zum Glück arbeitet mein Mann selbständig von zuhause aus,sodass er mittags unseren Krümel von der Tagesmutter abholen kann,sodass ich recht flexibel in den Nachmittag hinein arbeiten kann in meiner 4 Tage-Woche. Bei uns klappts mit der Betreuung echt gut,aber in Zeiten in denen mein Kind krank oder extrem anhänglich ist,wünschte ich mir den Luxus 2 Jahre Elternzeit nehmen zu können. Leider war das finanziell nicht drin. Vollzeit arbeiten war für mich auch kein Thema,25 Std.reichen-auch wenn ich damit trotz Hochschulabschluss die Karriereleiter erst mal vergessen kann. Du hast recht, die Arbeitswelt ist viel zu starr für Mütter und das trotz der technischen Möglichkeiten.Ich könnte auch easy von zuhause arbeiten und versuche immer noch Homeoffice zu beantragen,zumindest anteilig.
    Man hats schon nicht leicht,vor allem ist man für die einen eine Rabenmutter WENN man arbeitet und für die anderen NUR Mama und nicht ernstzunehmen,wenn man eben NICHT arbeitet. Blöd!
    Liebe Grüße,
    Jessi

  • #7

    Nicole (Montag, 25 April 2016 20:07)

    Liebe Nicky,

    das stimmt. Und ich weiß auch nicht, ob sich das so bald ändert...

  • #8

    Nicole (Montag, 25 April 2016 20:11)

    Liebe Katharina,

    das Kind irgendwo und irgendwie abgeben und arbeiten gehen um jeden Preis geht gar nicht. Im Zweifelsfall würde ich mich auch immer gegen Haus, Zweitauto, Urlaub und Essen gehen entscheiden wenn ich müsste.

    Andererseits habe ich auch echt Angst vor Armut im Alter. Ich muss da nur an meine Tante denken. Die hat 6 Kinder großgezogen und ist über 20 Jahre anschließend noch in Teilzeit (als Köchin) arbeiten gegangen. Und nun mit über 80 Jahren lebt sie von der Hand in den Mund, Sozialhilfe und hat Pflegestufe II. Und das obwohl sie alles getan hat, Kinder bekommen und gearbeitet und trotzdem reicht es nicht. Das ist so ungerecht.

    Das heutzutage immer weiter sinkende Lohnniveau ist unverantwortlich. Ich kenne auch inzwischen einige Leute die sich bewusst gegen Kinder entscheiden weil sie so große Angst vor Armut haben. Weil sie schon vorher wissen dass es eng werden würde.

    Das ist schade.

  • #9

    Nicole (Montag, 25 April 2016 20:12)

    Hallo Jessi,

    wie frau es macht so kann sie es auch nur verkehrt machen. Eure Lösung finde ich super :-)