Glaubst Du?

von Nicole

Hey Ladies, 

 

geht`s Euch gut?

 

Heute möchte ich einen Blogbeitrag veröffentlichen den ich mindestens 10x umgeschrieben habe, neu angefangen und komplett gelöscht habe. 

 

Es geht um meine Gedanken zum Thema Religion. Ich beschäftige mich natürlich nicht nur mit oberflächlichen Dingen wie Beautykram oder neuen Klamotten. 

 

Und ich finde, es ist an der Zeit, mit Euch meine Gedanken über das Thema Glauben mit Euch zu teilen. 

 

Das ist etwas sehr Persönliches was wir meist nur mit uns selbst ausmachen. In meinem Umfeld wird jedenfalls sehr wenig über Glauben und Religion gesprochen. 

Ich glaube an die guten Dinge.

Ich glaube an die Liebe und ich glaube an die Hoffnung. 

 

Ich glaube nicht an einen bestimmten Gott. An den Gott wie er in den Büchern beschrieben wird.

 

Aber ich glaube, dass es da etwas gibt. 

 

Ich möchte Euch ein paar Dinge davon erzählen wie ich meinen Nicht-Glauben gefunden habe. 

 

Aufgewachsen bin ich mit einer christlich-evangelisch-gläubigen Mutter und einem Atheisten als Vater. Meine Schwester und ich wurden völlig religionsfrei erzogen. Und dafür bin ich meinen Eltern sehr dankbar. Sie gaben uns die Möglichkeit, unseren Glauben selbst zu finden. 

 

Schon im Kindergartenalter hatte ich viel Kontakt zu unseren muslimischen Nachbarn. Ich bin dort ein und ausgegangen und das Tragen der Kopftücher der Frauen und das mehrmalige Beten am Tag war für mich nichts Besonderes. 

 

Im Gegenteil. Ich erinnere mich an sehr glückliche Zeiten bei unseren Nachbarn. 

Der Gebetsteppich wurde immer in einem für mich komischen Winkel auf den Boden gelegt. Also rückte ich in gerade. Ich erinnere mich noch sehr gut daran wie der brummige Herr des Hauses mit einem Pantoffel in der Hand hinter mir her lief und schimpfte, ich solle seine Teppich so liegen lassen. 

 

Und wenn er mich gefangen hatte, kniff er mir in die Nase und lachte so laut dass ich mir den Spaß immer wieder erlaubte. 

Ich empfand die muslimische Religion in meiner Kindheit als friedlich und liebevoll. 

Meine ersten Erfahrungen mit der christlichen Kirche machte ich mit ca. 12 Jahren als ich in den Konfirmationsunterricht ging. Voller Wissensdurst wollte ich endlich wissen, wie das in der Kirche so läuft. Zwei Jahre lang ging ich regelmässig in den Unterricht und in die Kirche. Das habe ich ohne jeden Zwang getan. Ich ließ mich sogar taufen und versuchte, zu verstehen. 

 

Aber ich verstand nichts. 

 

Ich verstand die Bibelverse nicht. Ich verstand den Ablauf in der Kirche nicht. 

 

Ich fragte und las und fand doch keine Antworten. So oft hörte ich, dass man Glauben nicht lernen sondern nur finden kann. Desillusioniert wurde ich konfirmiert und wenige Tage nach meinem 18. Geburtstag bin ich aus der Kirche ausgetreten. 

Irgendwas ist da.

Da bin ich mir sicher. Aber ich kann für mich nicht fest an etwas Bestimmtes glauben. 

 

Ich glaube an eine höhere Macht irgendwie, aber mehr im Sinne der Natur. Also nicht an den einen Gott sondern an etwas Überherrschendes. Etwas, was über uns steht und irgendwie ist es liebevoll. Und friedlich. 

 

Jahrelang habe ich an nichts geglaubt. Plötzlich war die Beisetzung meiner Mutter und das Vater Unser wurde gesprochen. Und ich spürte eine friedliche Ruhe.

 

Da ist also irgendwas, etwas das wir Menschen in verschiedene Religionen sortieren. 

 

Verschiedene Religionen. Das ist das Problem. Alle haben mehr oder weniger das selbe Ziel: Frieden. Liebe. Hoffnung. Gnade. Nächstenliebe. 

 

Und doch bekämpfen sie sich. Oft laut und mit schrecklichen Folgen. Und oft leise und nicht minder grausam. 

 

Als ich ungefähr 17 Jahre alt war bekam ich mit, wie eine muslimische Schulfreundin versprochen wurde. Ihr zukünftiger Mann: Mitte 30. Furchtbar alt für uns. Ich fragte ihren Vater, warum sie sich ihren Mann nicht selbst aussuchen kann. Und er erklärte "weil Gott das so will". Ich diskutierte und sie hatte Angst. Und nach den Sommerferien kam sie nicht wieder in die Schule. Sie war verheiratet und trug ein Kopftuch. Das tat sie vorher nicht. 

 

Und ich las wieder. Fragte und fand doch wieder keine Antworten. 

 

Nicht Gott wollte das sie verheiratet wurde. Der Vater wollte das. Und er schob es auf die Religion. 

Auf den ersten Blick mag es bei den Christen friedlicher zugehen. Schaue ich von außen aber zum Beispiel auf die Katholizismus so schaudert es mich. Himmel und Hölle, Fegefeuer und ständig der erhobene Zeigefinger. 

 

Natürlich ist das überspitzt gesagt und lehne mich da unwissend ziemlich aus dem Fenster. 

Ich lehne keine Religion ab. Und ich respektiere jede Religion. So viele Menschen bekommen Kraft aus ihrer Religion und das ist sehr gut so.

 

Ich wünsche mir nur sehr, dass die Religionen friedlich nebeneinander bestehen können. Ohne Kampf und Krieg. Ohne Besserwisserei und erhobene Finger. 

Für mich stellen Liebe und Mitgefühl eine allgemeine, eine universelle Religion dar. Man braucht dafür keine Tempel und keine Kirche, ja nicht mal unbedingt einen Glauben, wenn man nur versucht, ein menschliches Wesen zu sein mit einem warmen Herzen und einem Lächeln. Das genügt. 

Dalai Lama

Ich glaube an die Liebe. Und an Hoffnung. Ich glaube an Karma. Ich glaube daran, wenn man gut ist und Gutes tut, dass dann auch Gutes zurückkommt. Dass man irgendwie beschützt ist vor schlechten Dingen. 

 

Ich glaube, an den Schutz von guten Gedanken. Und an gute Taten. Das liegt mir in Fleisch und Blut. Lieb sein. Einfach die Umwelt mit guten Worten und Taten positiv verändern. Zumindest positiv beeinflussen. 

 

Das tue ich nicht aus Eigennutz sondern weil einfach alles besser ist wenn Menschen positiv gestimmt sind und ihr Leben genießen können. 

 

Ich glaube nicht an die Regeln einer bestimmten Religion. Ich glaube an die grundlegenden Regeln jeder Religion. Nächstenliebe, Achtung, Respekt, Gutes tun.

 

Woran glaubt Ihr?

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Kommentare: 4
  • #1

    Amsel (Mittwoch, 01 Juni 2016 22:15)

    Ich selber glaube an Gott. Demnach bin ich Christlich. Ich habe mich vor ca.2 Monaten Konfirmieren lassen. Und das aus vollster Überzeugung.
    Seit ich klein bin,wurde ich im Glauben erzogen. Aber nicht streng. Ich bin schon immer durch Gott getragen würden. Und vor 2 Jahren hatte ich ein Übernatürliches Erlebnis mit meinem Herren. Seit dem ist mein Glaube sehr tief verwurzelt. Und ich merke einfach wie der Glaube mein Leben bereichert,und mir in schwierigen Situation Kraft gibt. Und wie Gott in meinem Leben immer wieder wunder vollbringt. Halleluja !!!

  • #2

    kleiner Himmel (Donnerstag, 02 Juni 2016)

    Hallo!
    Im großen und ganzen geht es mir wie dir, aber ich glaube auch noch an ein bisschen mehr.
    Als ich jung war, fand ich Religion sehr spannen. Ich ging regelmäßig in die Kirche (alleine oder mit einer Nachbarstochter), zu Jugendgruppen, Messdienerin gab es für uns damals noch nicht, aber ich durfte die Lesungen während des Gottesdienstes machen.
    Ein bisschen angeregt durch meinen Vater (bezeichnet sich ebenfalls als Atheist, sagte aber den schlauen Satz "Es gibt so viele Religionen, woher soll ich wissen, welche die richtige ist?!"
    So habe ich angefangen, micha uch für andere Religionen zu interessieren (zu lesen). Später im Philosophistudium hab ich am liebsten Kurse zu religiösen Philosophen belegt.
    Gleichzeitig habe ich mich aber auch immer mit der Geschichte der Religionen auseinandergesetzt - und das ist so grausam - alle, irgendwie, irgendwann und so widersprüchlich in ihrern Daseinsformen (allen voran die Christen).
    Ich mache es ein bisschen wie mit Erziehungsbüchern früher - ich schaue mir alles an und suche dann das heraus, was für mich am besten ist. So wie du:
    Achtung, Respekt, Nächstenliebe und gutes Tun!
    Und das ist schon manchmal ganz schön schwer!
    Vielleicht bin ich einfach Omnireligiös?!

    Liebe Grüße

  • #3

    Jessi (Donnerstag, 02 Juni 2016 11:24)

    Hallo Nicole,
    mutig sich so ein Thema zu wählen. Religion und Glauben polarisiert ja doch und lockt sicher auch Menschen mit extremen Meinungen.
    Ich bin dir im Glauben (wenn man das so nennen kann) sehr ähnlich. Ich bin ebenfalls nicht mehr in der Kirche, Taufe war auch bei meinem Sohn kein Thema - er soll das später einmal selber entscheiden, was er möchte. Mein Mann und ich haben auch nicht kirchlich geheiratet - das wäre für mich sonst widersprüchlich gewesen.
    Religion spielt in unserem Leben kaum eine Rolle, aber die oben beschriebenen Werte schon.
    Im Prinzip ist es egal, ob jemand religiös ist oder nicht, solange man Werte wie Menschlichkeit, Nächstenliebe, Güte usw. verfolgt, sollte das friedliche gesellschaftliche Zusammenleben doch funktionieren.

    Ein sehr guter Beitrag von dir! Deine Gedanken-Posts lese ich immer sehr gerne.

    Lieben Gruße,
    Jessi

  • #4

    Katherina (Montag, 24 Oktober 2016 00:01)

    Liebe Nicole,
    Du hast einen sehr guten Blog. Ich bin am stöbern und lesen. Nach dem ich bei Kosmetik fast durch war, bin ich bei diesem Thema gelandet. Sehr gut geschrieben, der Beitrag. Man merkt, dass du dir sehr genau überlegt hast, wie du die Sätze formulierst, wie die Aussagen klingen. Ja, Religion ist, man könnte auch meinen, so etwas wie ein Tabu. Es ist schwer, die eigene Meinung kund zu tun ohne einem anderen Menschen damit auf die Füße zu treten. Ich glaube, ich fand deinen Blog, bis ich dieses Thema entdeckte, gut. Aber, als ich hier gelandet bin und durchlas, bist du mir gleich sehr sympathisch geworden. So viele Ähnlichkeiten.

    Ich habe mich des Öfteren mit dem Thema beschäftigt und bin zu der Schlussfolgerung gelangt, dass Ich(persönlich) in meinen Kindern weiter lebe. Das ist meine Liebe. Das ist mein Sinn des Lebens. Das ist meine Religion. Ganz einfach: "Ich lebe in meinen Kindern weiter"

    Ich bin in einer sehr gläubigen Großfamilie aufgewachsen, die gar mit zwei verschiedenen Religionen existiert hatte (Evangelisch-Lutheranisch und Orthodox). Mein Opa war sogar ein Pastor. Trotzdem bin ich Atheistin und seid ein paar Jahren sogar offiziell aus der Kirche ausgetreten. Für die Kinder wird Wintersonnenwende, statt Weihnachten gefeiert. Frühlinsbeginn, statt Ostern. Ja, es ist nicht immer einfach, denn man wird trotzdem sehr komisch beäugt, wenn das irgend wer erfährt ("Heidentum ist aber auch eine Religion, sie, Möchtegern Atheistin") :) Was soll's?

    Witzig, dass du Karma erwähnst. Erst vor ein paar Wochen habe ich einer älteren Frau 5€ Schein und ein paar meiner leeren Pfandflaschen in die Hand gedrückt, die im Bahnhof nach Flaschen in den Mülleimern suchte und am selben Tag, an einem anderen Bahnhof, fand ich einen 50€ Schein, auf einem leeren Bahnsteig. Ähnliches ist mir aber schon mal öfter passiert. Und auch andersherum. Jemand, der mir was schlechtes angetan hatte oder tun wollte, war kurz darauf entweder selbst schlimm dran, hatte einen nahen Menschen verloren oder ist gar selbst gestorben. (Und nein, ich hatte damit nichts zu tun! - nur für den Fall, dass ihr auf den Gedanken kommt) xD