Warum Einkaufen in Ladengeschäften keinen Spaß mehr macht.

von Nicole

Hey Ladies, 

 

geht`s Euch gut?

 

vorgestern war ich in der Bremer Innenstadt bummeln. Und das war frustrierend. Ich war gar nicht auf der Suche nach etwas Bestimmten, ich wollte einfach nur meinen Urlaubstag genießen.

 

So wirklich toll war das aber nicht. Der Grund dafür: unfreundliche Verkäufer und eine Auswahl an Waren die einfach langweilig ist. 

 

Hier in Bremen gibt es die üblichen Geschäfte: Karstadt, H&M, Douglas, Thalia, DM, Rossmann, Esprit, Galeria Kaufhof - unsere Innenstadt sieht aus wie viele andere auch. 

 

Im Internet liest man immer wieder, Innenstädte sterben aus, schuld seien hohe Mieten und dass Kunden immer mehr im Internet kaufen. 

Ja, das stimmt - auch ich kaufe lieber online.

Warum das so ist? 

 

Ganz einfach: Nicht nur habe ich im Internet eine größere Auswahl, fast schon wichtiger ist: im Internet werde ich nicht komisch von Verkäufern behandelt. Mir geht das inzwischen richtig auf den Keks. 

 

Wobei ich gleich sagen muß: Natürlich gibt es nicht nur unfreundliche Verkäufer. Aber ich finde, gerade bei großen Ketten merkt man die Unlust schon sehr. 

Ich habe oft das Gefühl, man störe beim Plausch, man ist genervt vom Kunden und man hasse seinen Job sowieso. 

 

Ich weiß dass die Arbeit als Verkäufer nicht einfach ist. Ich weiß, dass viele Kunden nervig sind und ich weiß dass die Arbeitszeiten und die Bezahlung nicht immer gut sind. 

 

Aber ich weiß auch, dass ich da nichts für kann und das ich ein Mindestmaß an Freundlichkeit und Aufmerksamkeit erwarte. 

Das Problem ist: oft scheinen viele ungelernte Kräfte eingesetzt zu werden. Dazu kommt einfach auch eine fehlende Motivation. Und vielleicht auch das gesellschaftliche Ansehen des Jobs. 

 

Es ist doch in Deutschland so: wer ist schon stolz auf seinen Job? Hat man nicht studiert und arbeitet in einem "einfachen" Beruf wird man von seinen Mitmenschen oft nicht so gut angesehen wie ein Akademiker. Und das ist einfach blöd. Jeder Mensch der arbeiten geht sollte das mit Stolz und Anerkennung tun können. Jemand, der Regale auffüllt ist genauso wichtig wie ein Lehrer. Versteht Ihr was ich meine?

 

Ich mag mich einfach nicht mehr als Störenfried im Geschäft fühlen. Deswegen gehe ich inzwischen sehr gerne in kleinere Geschäfte und versuche dort, zu kaufen was ich brauche. 

 

Vorgestern waren wir zum Beispiel bei Dean&David essen. Dort fühle ich mich wohl, nicht nur weil das Essen da sehr lecker ist, sondern auch weil ich dort besser behandelt werde. Mein Sohn bekommt eine Extrawurst beim Essen (für ihn wurde extra ein kindgerechtes Essen gemacht) und ich fühle mich dort nicht wie ein nerviger Kunde. 

Ich kaufe aus zwei Gründen ein: der notwendige Einkauf (zum Beispiel von Lebensmitteln) oder der unnötige Einkauf, einfach aus Spaß am Bummeln. Und genau dieser Spaß vergeht mir hier immer mehr. Nicht umsonst fahre ich gerne woanders hin, in andere Städte, um dort mal bummeln zu gehen. 

 

Einkaufen kann inspirierend sein. Man entdeckt neue Dinge. Und ich bin durchaus bereits, hier und da etwas zu trinken, eine Kleinigkeit zu kaufen und Neues zu entdecken. Diese Lust vergeht mir wenn ich immer in den ewig gleichen Geschäften mit den ewig gleichen unmotivierten Verkäufern herumlaufe. 

 

Ich weiß, das sind Luxusprobleme und ich weiß auch dass ich Mitschuld am Aussterben der Innenstädte habe. Durch mein Kaufverhalten unterstütze ich Onlinehändler und schade dem Einzelhandel vor Ort. Aber mir bleibt auch keine andere Wahl.

Ein Beispiel: Jeder zweite Deutsche ist zu dick. Trotzdem gibt es kaum Geschäfte in denen wir unsere Kleidung kaufen können. Gerade gestern habe ich wieder eine Mail von der Shoppingqueenredaktion bekommen. Ob ich mich nicht für die nächste Bremenfolge bewerben möchte. Prinzipiell wäre das ja mal lustig aber ich habe hier einfach keine Chance in der vorgegebenen Zeit auch nur ansatzweise was Passendes zu finden. Weil es meine Größe kaum gibt. Weder bei der Kleidung noch bei den Schuhen. Deswegen kaufe ich online. 

 

Und ich kaufe auch Geschenke online. Dabei könnte genau das auch im Laden passieren. Ein Beispiel: Ich habe für eine Freundin nach einem Parfum gesucht. Bei Amazon wird mir angezeigt, was mir sonst noch gefallen könnte und so kam ein passendes Duschgel mit. Genau das kann doch auch im Laden passieren. Wenn mich denn eine Verkäuferin auch mal nett bedienen würde. 

 

Eine kleine Geschichte dazu: ich wollte mir einen neuen Beautyblender kaufen. Mein Alter ist nun nach über einem Jahr kaputt. Kostenpunkt: knapp 20,- Euro bei Douglas. Auf meine Frage, ob und wo sie den Beautyblender denn haben antwortete eine genervte Verkäuferin "da hinten unten" und zeigte auf ein Regal. Zwei Beautyblender liegen da. Im Staub. Ganz unten. Sorry, nein. Darauf habe ich keine Lust. 

 

Also bin ich gegangen. Und habe ihn - ja wo sonst wohl - bei Amazon für knapp 5,- Euro weniger gekauft. Sauber und ohne Staub und das Gefühl, gestört zu haben. 

 

Das ist doch blöd. 

Ich denke, um den Kunden das Einkaufen freundlich zu machen sind drei wesentliche Dinge notwendig:

 

  • Ein freundliches Umfeld, dazu zählt ein guter Umgang unter den Angestellten, eine verständnisvolle und engagierte Führung und gute Leistungen (Bezahlung, Arbeitszeit usw.)

 

  • Eine motivierte und offene Einstellung der Mitarbeiter.

 

  • Ein gutes Warenangebot.

 

Das Problem dabei: Die meisten Geschäfte werden von den Zentralen ferngesteuert. Eingekauft wird en gros und dabei wird nicht auf Besonderheiten der Region Rücksicht genommen.  In den Filialen kann nur bedingt mitgewirkt werden. Alles soll immer überall gleich sein. 

 

Mitarbeiter werden nicht als Menschen sondern als Arbeitskräfte gesehen und auch so behandelt. Menschlichkeit bleibt gerne außen vor. 

 

Eigentlich stelle ich mir die Arbeit als Verkäuferin spannend vor. Dem Kunden zu helfen und ihn zu beraten, der Umgang mit den verschiedenen Menschen. Ich weiß, dass das nicht immer einfach ist aber ich denke doch dass das eine Arbeit ist die Spaß machen kann. 

 

Ich finde das echt schade dass dieses Zentralisieren und Vereinheitlichen überall (ist ja nicht nur im Verkauf so) so viel Individualität und Entscheidungsfreiheit nimmt, dass das zwangsläufig irgendwann auch große Unternehmen in die Knie zwingen wird. Denn viele Menschen möchten so nicht mehr einkaufen gehen. 

 

Wie seht Ihr das? Wo kauft Ihr lieber ein? Online? Oder geht Ihr nur in Geschäfte? Ich bin auf Eure Meinung gespannt. 

GLOSSYBOX

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Kommentare: 13
  • #1

    Evi (Mittwoch, 13 Juli 2016 20:08)

    Liebe Nicole,

    du schreibst mir mit diesem Beitrag mal wieder von der Seele.

    Ich lebe hier ja recht ländlich, sprich, wir haben in der nächsten Kleinstadt eine regionale "Kette", die insgesamt 4 Geschäfte führt. Dort findet man die üblichen "Shop in Shop"-Marken wie EDC, Vila usw. Hier geht es zumindest im Punkt Kundenfreundlichkeit gut - die Mitarbeiter sind dort schon jahrelang und man merkt - gerade in der Dessous-Abteilung - durchaus, dass die Damen ihren Job gelernt haben und Dinge mit einem anderen Auge sehen.

    Ich habe überhaupt nichts gegen ungelernte Kräfte im Verkauf einzuwenden! So hatte ich meinen Nebenjob während dem 2jährigen Theorieteil meiner Ausbildung (ich bin Erzieherin) auch im Verkauf (Bioladen mit Schwerpunkt Naturkosmetik).

    Aber wie du schon sagst: es muss eine gewisse Freude dabei zu spüren sein. Und es hat mir jeden einzelnen Tag Freude und Spaß gemacht, die Kunden zu beraten, mit ihnen gemeinsam das geeignete Produkt für ihre Ansprüche zu finden. Dabei ist aber stets ein gewisses Hintergrundwissen und Interesse gefragt, das ich leider oftmals vermisse, wenn ich Einkaufen bin.

    Gerade in den größeren Shopping-Zentren fällt mir das Gleiche auf, wie dir. Wie oft ich schon wieder aus einem Geschäft gegangen bin, weil ich das Gefühl hatte, ich würde die dortigen Mitarbeiter stören... Den großen Kosmetikverkäufer, den du auch beschrieben hast, meide ich inzwischen komplett. Ich war das letzte Mal willig, mir eine gute Foundation zu kaufen. Ich wollte mich beraten lassen. Aber die Damen an den Countern haben mich ignoriert. Also ging ich wieder: und bestellte online. Etwa 10€ günstiger.

    Was auch der nächste Punkt ist: der Preis. Vieles, das in den Läden hängt, ist zwar nett anzusehen. Aber ob ich mir das zum vollen Preis kaufen würde, weiß ich nicht. Ich kaufe sehr gerne online, in Outlet-Shops wie Vente Privée oder Brands4Friends - diese Preise findet man natürlich selten im Geschäft.


    Da ich aber gerade mein ganzes Shoppingverhalten umkremple, versuche ich, so wenig wie möglich zu kaufen. Egal, ob im Laden oder online. Wenn, dann schaue ich inzwischen aber erst vor Ort und dann online, wenn ich nicht weiter komme. Dennoch lande ich hier auch bei ca. 75% Onlineshopping. Denn ein großer Faktor ist nach wie vor, dass ich gerne in Ruhe zuhause meine bestellten Dinge anprobiere und gleich mal Kombinationen teste... ;-)


    Viele liebe Grüße aus dem Süden,
    Evi

  • #2

    Nicole (Mittwoch, 13 Juli 2016 20:45)

    Liebe Evi,

    danke für Deinen Kommentar. Das was Du mit den ungelernten Kräften schreibst ist natürlich richtig. Ich mag Ungelernte oft viel lieber als Verkäufer zur Beratung wenn die das engagierter machen.
    Und dieses Halbwissen oder Unwissen auf der anderen Seite nervt mich auch total. Wenn ich mehr über ein Produkt weiß als der Verkäufer ist das auch schlecht.

    Dir noch einen schönen Abend :-)

    Ganz liebe Grüße von Nicole

  • #3

    Waldfee (Donnerstag, 14 Juli 2016 15:46)

    Liebe Nicole, auch ich kaufe lieber online. Es ist günstiger, man bekommt alle Größen und Farben, der Service ist meistens gut. Bevor ich mit einer langen Liste stundenlang durch die Stadt laufe und doch nicht alles bekomme, bestelle ich lieber im Internet. Ein paar Clicks und fertig. Auch wenn ich weiß, das bei Amazon auch noch Potential gegenüber seinen Mitarbeitern besteht, kaufe ich dort sehr gerne. Der Service ist extrem kundenorientiert.
    Klamotten kaufe ich trotzdem lieber vor Ort, um mir das ganze Hin- und Hergeschicke zu ersparen.
    Eines ist aber für mich ein Muss: werde ich in einem Laden sehr gut beraten, gerade was Technik angeht, kaufe ich auch da. Denn vor Ort sich beraten zu lassen und dann günstiger online zu kaufen, finde ich mies. Guter Service muss belohnt werden.

  • #4

    Ina (Donnerstag, 14 Juli 2016 15:54)

    Hallo Nicole,

    ich kann Evi nur zustimmen, du schreibst mir von der Seele.
    Ich hatte gestern schon angefangen ein Kommentar zu schreiben. Habe es aber wieder gelöscht, da ich mich so in Rage geschrieben hatte, dass ich beim zweiten Mal durchlesen gemerkt hatte - das kannst du keinem zumuten.
    Ich komme aus Oldenburg und auch hier ist es so, dass nur noch große bekannte Geschäfte in der Innenstadt zu finden sind: H&M, Galeria, Rossmann (3x), DM(2x), Douglas (2x), Orsay, C&A etc.
    Ich finde es schade, da ich selber gerne in kleinere Geschäfte gehe und schnüster.
    Was das Thema Freundlichkeit der Verkäufer angeht ist es immer ein hü und hott. Wenn man in einen Laden wie Leffers geht - hat man meistens eine kompetente Beratung, wird nicht ignoriert oder hat das Gefühl jemanden beim Kaffeeplausch zu stören. Wenn ich bei H&M reingehe erwarte ich sowas schon gar nicht mehr. Die Verkäufer sind entweder total motivationslos oder so im Stress das man sich gar nicht traut zu fragen.
    Und dann fragt man sich, warum viele Leute mittlerweile lieber online etwas bestellen.

    Liebe Grüße,
    Ina :)



  • #5

    cleffanie (Donnerstag, 14 Juli 2016)

    Gutes Thema!

    Ich kaufe meistens online, da es meine Kleidergröße (44/46) leider nur selten in den Geschäften vorrätig ist. Warum das online bei den meisten Artikeln nicht der Fall ist, ist mir ein Rätsel. Warum schaffen es die Filialleiter nicht, vergriffene Größen frühzeitig nachzubestellen???

    Wollen die mein Geld nicht?

  • #6

    Carlotta (Donnerstag, 14 Juli 2016 19:31)

    Sehr schön geschrieben. Ich möchte noch hinzufügen, dass mich die unverschämten Parkgebühren in den Innenstädten extrem nerven. Auch finde ich nie Schuhe in meiner Größe (41). Neulich raunzte mich eine Verkäuferin an, dass diese Größe eben sehr gefragt und daher schnell ausverkauft ist. Auf die Idee, das Größenangebot anzupassen scheinen die Läden nicht zu kommen. Ich wäre bereit im Laden etwas mehr zu zahlen. Aber weder das Warensortiment noch die vorhandenen Größen sagen mir zu. Ich bestelle daher eher aus Not im Internet. In meiner Stadt gibt es aber einen Laden, in dem alle Verkäuferinnen super nett und hilfsbereit sind. Hier schaue ich oft, ob ich doch mal etwas Passendes finde.

  • #7

    Grinsemia (Freitag, 15 Juli 2016 08:22)

    Ja,ich kann dir voll und ganz zustimmen.
    Als meine Mama vor ein paar Wochen in Bremen zu Besuch war, hatten wir das gleiche Problem, da kommt man mal "extra vom Dorf in die große Stadt " und möchte was kaufen....nicht nur Online bestellen.... was ist?Da meine Mama auch jetzt Plussize benötigt hatte große Erwartungen und Hoffnungen an die Bremer innenstadt.Doch was war?! Entweder alles zu altbacken,keine Mutation der Verkäuferinnen, kaum Auswahl....
    Oder ein gequältes bemühen was Modisch überhaupt nicht mehr vertretbar war. ...nur um meiner Mama irgendwas verkaufen zu können....Ja,da bestellt man dann doch wirklich lieber....
    Auch schade das Filialen oft nur "Übergrößen "bis 46 haben!!!
    Hallo ?!
    Das ist für mich keine Übergröße!

  • #8

    Sunny (Sonntag, 17 Juli 2016 11:09)

    Liebe Nicole wie so oft triffst du den Nagel auf den Kopf. Auch bei uns in Hannover gibt es leider fast nur noch Ketten. Die kleineren Boutiquen führen oft nur bis Größe 40. Wenn ich mit meiner superschlanken Freundin shoppen gehe, komme ich mir echt vor wie Aschenputtel. Die Verkäuferinnen fragen eigentlich immer nur sie, was sie sucht. Sehr toll. Zum Glück haben wir noch ein großes privat geführtes Kaufhaus, wo auch Frauen mit weiblicheren Rundungen supernett bedient werden. Und ich finde da immer was! Ist zwar etwas teurer aber egal. Ich kaufe eh nur noch einen Bruchteil von dem was ich früher gekauft hab.
    Lg

  • #9

    Carli (Sonntag, 17 Juli 2016 11:35)

    Ich bin die andere Fraktion. Trotz großer Größe gehe ich gerne shoppen und finde eigentlich immer was. Ja, vielleicht ist es nicht die Riesenauswahl, aber ganz ohne komme ich eigentlich nie nach Hause. Ich finde auch Verkäuferinnen nicht grundsätzlich unfreundlich oder unmotiviert und da wo es offensichtlich ist, frage ich freundlich (!) nach, ob kein Interesse besteht, mir etwas zu verkaufen.
    Ich kaufe tatsächlich nie online, weil mich das Rumgesuche nervt, ich gerne direkt vor Ort anprobiere und keine Lust, irgendetwas zurückzuschicken.

  • #10

    by.Yvonne.Mania (Montag, 18 Juli 2016 13:07)

    Bei uns in Stade herrscht auch großes Ladensterben, zum einem sind die Mieten absurd hoch, zum anderen hat man kaum Parkmöglichkeiten, auf fast allen Parkplätzen ist eine Zeitliche Begrenzung von wenigen Stunden. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren ist kaum möglich da die Anbindungen oft sehr schlecht sind.
    Die wenigen Boutiquen die dort zu finden sind, ähneln sich im Sortiment so stark das man das Gefühl hat immer wieder in ein und dem selben Laden zu stehen.
    Neulich wagte eine Frau eine Neu Eröffnung, groß wurde angekündigt das sie sich von der Masse abheben würde, diese Marke sei in Stade nicht vertreten.... und wieder schaute ich auf ein Sortiment welches ich in den anderen Läden auch finden kann, nur von einer anderen Marke. Es gibt in der Tat nur ein Geschäft für große Größen, ansonsten nur C&A und H&M mit ihren 5 Kleiderständern.
    Manchmal überlege ich mir ob ich meine Mode im Einzelhandel anbieten möchte, natürlich würde ich alles besser machen, doch allein die Tatsache das ich mir so ein Ladenlokal preislich gar nicht leisten könnte, lässt mir nur die Möglichkeit meine Kleider online zu verkaufen.
    Schade...
    viele liebe Grüße Yvonne
    http://by-yvonne-mania.blogspot.com

  • #11

    Boris Crismancich (Dienstag, 19 Juli 2016 11:07)

    Hi Nicole,

    ein sehr interessanter Beitrag. Und er untermauert exakt die Meinung von Zukunftsforschern: Die gehen nämlich davon aus, dass es in Zukunft zwei Arten von Shopping gibt, die du bereits unterscheidest: Das Shopping als Erlebnis und Einkaufen von Bedarfsgütern.

    Eines vorweg: Die Chancen auf Besserung stehen gut!
    Es wird aber wohl noch 10 bis 15 Jahre dauern, bis die Änderung hier ankommt.

    Bei einem sind wir uns alle einig: Niemand (abgesehen von Menschen mit Karo-Pullunder) kauft leidenschaftlich gern Staubsaugerbeutel, Klopapier oder stinknormalen Zucker. Doch gerade das Zeug wird nicht online, sondern fast ausschließlich in Geschäften mit Ladenlokal gekauft.

    Dagegen werden ein schönes Paar Schuhe, ein Kleid, dass man Anfassen und probieren möchte, immer häufiger Online gekauft. Verkehrte Welt, oder?
    Der Grund ist die (noch) fehlende Infrastruktur. Das wird sich in Ballungsräumen ändern.

    Erst wenn ich sagen kann "Siri, ich brauche 2x Mehl. Wie schnell kann es hier sein?" wird es spannend. Dazu muss es in einer Stunde geliefert sein und darf nicht mehr kosten als im Laden. Zudem muss es zu mir kommen, egal wo ich gerade bin.

    Wenn es um Fashion, Accessoires, Schmuck, Beautyprodukte aber auch Trendfoods, Gemüse, Feinkost, oder Tierzubehör geht, wird es dann genial. Wenn der Transport einfacher, schneller und billiger ist, als es im Laden zu kaufen, gibt es nur noch einen Grund dafür, etwas nicht online Zu kaufen: Das Erlebnis. Wenn du beim Friseur eine Haarkur kaufst, dann nicht, weil sie günstiger ist. Du nimmst ein Stück Friseur-Erlebnis mit nachhause. Und das darf kosten. Die Basis dafür sind Mitarbeiter, die sich um dich kümmern, dir zeigen, dass du wichtig bist, die sich um dich bemühen und die ein Erlebnis schaffen. Jeder Laden, der das nicht tut, wird vom Onlinehandel ausradiert werden. Denn der ist schneller, günstiger und hat erheblich mehr Vielfalt.

    Erlebnis-Läden bekommen aber noch ein Extra: Die Läden werden das, was du magst, immer in deiner Größe vorrätig haben. Heute wird noch gar nicht erfasst, wie viele Verkäufe verloren gehen, weil etwas nicht in richtiger Größe vorhanden oder generell nicht im Angebot ist. Das wird heute einfach nicht mitgezählt. Das ändert sich gerade: Die Kleidungsstücke haben heute oft schon RFID Chips. Darüber sieht man, wie oft sie in der Umkleidekabine waren. Und welche Produkte in exakt welcher Größe du gekauft hast. Wenn man dich identifizieren darf, kann ein Profil erstellt werden. Gehst du in einen Laden, suchst und findest nichts, wird das registriert und der Einkauf entsprechend angepasst. Aufgrund deiner Einkäufe in anderen Geschäften, weiss man, was dir passt. Und mit dem Amazon Prinzip "andere, die diesen Artikel gehauft haben, haben auch noch.." weiss man, was die passen würde. Das absolute Ende des "nein, diese Größe führen wir nicht". Stell dir einen Laden vor, der dir Produkte so intelligent anbietet wie Amazon Filme.

    Dann kommt der Hammer: Du gehst in den Laden, suchst dir die Teile aus, die dir gefallen. Und sind sie nicht im Lager, sind die spätestens in einer Stunde in deiner Größe da. Im Laden. Für dich.

    Wie das alles gehen soll?

    Ladenlokale und Personal sind extrem teuer. Das schlaue, bequeme System für Bedarfsgüter muss kotenmäßig darunter bleiben. Wenn ich den Bedarf (Verkauf) in echtzeit tracke und die Liferketten intelligent optimiere, spare ich teure Lagerkapazitäten ein. Selbstfahrende Transporter (fahren bereits in Testphasen rum) bringen dir zukünftig ohne Personalkosten die Waren. In weniger als einer Stunde und auf 15 minuten genau dahin, wo du es willst. Dafür brauchen wir die Daten, die wir gerade mit SmartPhones, RFID Chips und Sensoren überall produzieren. Gläserne Kunde? Ja. Aber das hat immer zwei Seiten. Und die eine kann ziemlich cool sein.

    Wie würde dir diese Welt gefallen?

    Viele Grüße,
    Boris



  • #12

    Nicole (Mittwoch, 20 Juli 2016 12:52)

    Hallo Boris,

    ein sehr interessanter Ansatz.

    Wie gerne würde ich meine Lebensmittel online kaufen können, wenn die Lieferkosten und generell die Preise nicht höher wären als wenn ich in den Supermarkt gehe.

    Personalabbau sehe ich immer kritisch aber in der Welt die Du beschreibst könnte man die Menschen einfach anders einsetzen. In der Verpackung und der Onlinebetreuung.

    Ich wünsche mir einfach den goldenen Mittelweg. Wie so immer schlecht umsetzbar, ich weiß.

    Danke für Deine Meinung :-)

  • #13

    Rumpelwicht (Montag, 15 Mai 2017)

    "Hat man nicht studiert und arbeitet in einem "einfachen" Beruf wird man von seinen Mitmenschen oft nicht so gut angesehen wie ein Akademiker"

    Ja, wozu auch?! Warum sollte ich denn nicht-Akademiker mit Akademikern gleichsetzen?