Working mom. 5 Jahre nun. Und die Erkenntnis?

von Nicole

Hey Ladies, 

 

geht es Euch gut?

 

Heute möchte ich mit Euch über das Thema "working mom" sprechen. Ich habe meine Meinung dazu schon mal hier und hier geäußert.

 

Ein weitere Jahr als arbeitende Mama habe ich nun hinter mich gebracht und daher ist es an der Zeit, meine Gedanken und Gefühle mich Euch zu teilen. 

Ich gebe es auf. Den Versuch, es zu schaffen.

Nein, ich habe weder meinen Job gekündigt, noch das Kind verkauft. Aber ich habe etwas eingesehen: Es ist nicht schaffbar. Und dennoch schaffen wir es. Irgendwie. 

 

Ich bin der Typ Mensch, der versucht, es jedem recht zu machen. Blöd, ich weiß. Aber ich möchte: 

 

Den Bedürfnissen  meines Kindes gerecht werden.

Zeit mit meinem Kind verbringen. 

Zeit für meinen Mann haben.

Meine Arbeit gut erledigen. 

Zeit für Freunde und Verwandte haben. 

Zeit für mich haben. 

Ein Zuhause haben in dem ich mich wohlfühle. 

 

Das alles schaffe ich nicht. Wenn das eine passt, fällt das andere hinten herunter.

 

Sitze ich bei einem Spätdienst in der Arbeit rotiert der Mann weil er früher gehen oder später anfangen muss. Und die Oma kommt ins Schwitzen weil ein 5jähriger nun mal eben anstregend ist (sie passt immer auf wenn ich länger arbeiten muss).

 

Spiele ich mit dem Kind, gammelt der Haushalt vor sich hin. 

 

Versuche ich, das zu kombinieren geht das ein paar Minuten gut. Dann mag das Kind nicht mehr "wir spielen, wer am besten aufräumen kann" spielen. 

 

Termine mit Freunden plane ich Wochen im Voraus, nur um dann im letzten Moment wieder absagen zu müssen. Irgendwer ist meist krank. 

 

Und Zeit für mich habe ich. Morgens wenn ich aufstehe und mich fertig mache. Ich stehe nämlich so früh auf, damit ich wenigstens ein paar Minuten alleine für mich habe. 

 

Zum Sport kann ich nur wenn irgendwer das Kind nimmt. Und alles andere mache ich eben mit Kind. 

Zum Glück bin ich kein sehr penibler Mensch. Wäre ich das würde ich durchdrehen. Definitiv. 

 

Der herumstehene Abwasch stört mich nicht, ebenso ist mir die überquellende Dreckwäsche egal. Alles zu seiner Zeit. Ich versuche erst gar nicht, auch noch zuhause alles schaffen zu wollen. 

 

Meine oberste Prämisse ist: Dem Kind muss es gut gehen. Und auch wichtig: Der Job muss gemacht werden. Geld verdient sich nicht von alleine und mein Gehalt ist schlicht und ergreifend notwendig. 

 

Mein Mann und ich ziehen am selben Strang. Er versucht mich zu entlasten wo es nur geht. Und trotzdem reicht es nicht. Trotzdem bin ich oft genervt und überlastet. 

 

Es ist nicht seine Schuld. Es ist auch nicht meine Schuld. 

 

Es sind einfach die Umstände die zusammen kommen. Die Arbeit wird immer anspruchsvoller und auch immer mehr. Längere Arbeitszeiten passen par tout nicht zur Kinderbetreuung und müssen doch abgeleistet werden. Das bringt mich jedes Mal zum Puzzeln. Wer kann das Kind wann wie lange nehmen? Wann muss ich spätestens da sein? Wann kann ich gehen? Es ist jedes Mal ein neuer Balanceakt. 

 

Und das nervt mich. Ich fühle mich schuldig. Schuldig, meiner Rolle als Mutter nicht gerecht werden zu können. Meiner Arbeit nicht gerecht zu werden. Und: mir auch nicht. 

Ich bin manchmal einfach nur sauer. Und machtlos. Steigende Kitagebühren, Schließtage in der Kita, zusätzliche Dienste und plötzliche Zahnschmerzen beim Kind. Alles kommt immer zusammen. 

 

Man hangelt sich von Baustelle zu Baustelle. Das nervt. Ich nerve mich dann selbst. 

 

Wenn mich jemand vor der Geburt meines Sohnes gefragt hat, ob ich meinen Job kündigen würde wenn ich im Lotto eine große Summe Geld gewinnen würde, so antwortete ich: "Nein, auf keinen Fall. Vielleicht die Arbeitszeit reduzieren, aber nicht kündigen.". 

 

Fragt mich das heute einer lautet meine Antwort: "Ja!". Und das nicht weil ich meine Arbeit nicht mag - im Gegenteil, ich mag meine Arbeit sogar gerne. Ich würde dennoch aufhören weil ich es leid bin. Ich bin den Stress leid. Das Abhetzen. Das Organisieren. Das Schuldigfühlen wenn ich doch wieder früher gehen muss oder eine Arbeit nicht zuende erledigen kann. 

 

Ich bin die Blicke und Lästereien einiger Kollegen leid. Sie denken, ich würde die Sticheleien nicht mitbekommen, aber jede Mutter und jeder Vater bekommen es mit. 

 

Und doch habe ich auch große Unterstützer unter meinen Kollegen. Die mir auch mal einen Dienst abnehmen. Die mir auch mal zuhören wenn ich von Problemen erzähle. 

 

Ich bin hin und hergerissen zwischen allem. Und nicht nur mir geht es so. Ich kenne keine Mutter, die nicht genervt, überlastet und ausgepowert ist. 

Und trotzdem bin ich gerne eine Mama.

Mein Sohn ist toll. Er ist neugierig und schlau. Er hat ein großes Herz und er liebt es, das Leben zu entdecken. Ich bin so gerne an seiner Seite und begleite ihn beim Großwerden. 

 

Dafür nehme ich das, wie viele andere Mütter auch, in Kauf. Ich mache mich für ihn unbeliebt, unzuverlässig und ich ecke an. Nur um ihm die besten Möglichkeiten zu geben. Um Zeit mit ihm zu verbringen wenn er mich braucht. 

Ich habe seit der Geburt meines Sohnes sehr viel gelernt. Vor allem habe ich gelernt, alles in unserem Tempo zu machen. Ich habe gelernt, dass ich es nicht jedem Recht machen kann. Und ich habe gelernt, nein zu sagen.

 

Alles in allem ist es wunderschön eine Mama zu sein. Und es ist so anders. Es verändert sich ständig. Immer wenn ich denke, ich habe es heraus, passiert etwas neues und ich muss von vorne anfangen. 

 

Ein Satz begleitet mich immer: Es geht immer weiter. Es gibt nicht immer eine Lösung. Aber es geht immer weiter. 

 

In diesem Sinne - ich bin gespannt auf Eure Gedanken zu dem Thema. :-)

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Kommentare: 3
  • #1

    Yasmin stahn (Samstag, 03 Dezember 2016 08:34)

    Sehr sehr gut geschrieben ich kenne das nur zu gut ich rotiere innerlich wir haben 2 Kinder die einzige zeit allein für mich ist tatsächlich wie bei dir morgens bevor die kids aufstehen .... Danach alles planmäßig... Heute sage auch ich ganz ehrlich wenn das blöde Geld nicht wäre ich würde Zuhause bleiben ;)

  • #2

    Nicole (Samstag, 03 Dezember 2016 11:38)

    Liebe Yasmin, danke für Deinen Kommentar. Ich sehe das genauso wie Du. Du bist eine tolle Mama - hab noch ein schönes Wochenende!

    Liebe Grüße von Nicole :-)

  • #3

    Nicole (Freitag, 09 Dezember 2016 19:28)

    Hallo und danke für die Zeilen, die mir zeigen, dass ich nicht allein da draußen bin, mit genau den gleichen Sorgen!
    Ich hätte es nicht besser schreiben können